aus der Heilbronner Stimme vom 29.8.2018

Leberbrunnen in Flein ist wieder ein lohnendes Ziel

 Die Restaurierung der Brunnenstube ist abgeschlossen. Es gibt einen Platz zum Verweilen und Informieren. Viele Spenden sind für das Projekt von Bürgerstiftung und Heimatverein eingegangen

Von Sabine Friedrich

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Leberbrunnen in Flein ist wieder ein lohnendes Ziel

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Das wird ein Anziehungspunkt für Wanderer", ist Roland Gärtner überzeugt. "Ich bin begeistert, wie es geworden ist", blickt das Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Flein über das vom Wildwuchs befreite Kleinod im Wäldchen hinter dem Fleiner See hinweg. Es liegt zwischen Weinbergen, Feldern und Streuobstwiesen.

Bürgerstiftung und Heimatverein haben den Leberbrunnen aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Die Restaurierung der historischen Stätte sowie die neue Plattform zum Verweilen mit Infotafeln sind fertiggestellt. Eine Aktion, die aufwendiger gewesen ist, als es sich die Initiatoren vorgestellt haben.

Kosten von 30.000 Euro sind gedeckt

"Ich hätte nicht gedacht, dass so viel zusammenkommt", freut sich Gärtner hingegen über die vielen Spenden. Mit Erlösen aus dem Kalender- und Glühweinverkauf der Bürgerstiftung sind mit diesen Zuwendungen die Kosten von 30.000 Euro abgedeckt.

Nun muss man nicht auf jeden Tritt haargenau aufpassen. Problemlos lässt es sich die steile Treppe zur Brunnenstube hinabsteigen. Marode Stufen wurden erneuert, schief stehende begradigt. Steinmetz Thomas Rücker aus Talheim strahlte den Sandstein ab. Jetzt lässt sich die verwitterte Inschrift im Schlussstein über der Brunnenstube wieder lesen sowie die Jahreszahl 1906. Als damals die Fleiner Wasserleitung gebaut wurde, rettete Oberlehrer Paul Fähnle, der spätere Ehrenbürger der Gemeinde, den Schlussstein des Brunnenhäuschens und ließ auf eigene Kosten einen neuen Brunnen bauen.

Landesdenkmalamt ist mit im Boot

Es dürfe praktisch nichts verändert werden, gibt Gerhard Albrecht vom Heimatverein die Haltung des Landesdenkmalamts wieder. Das redet mit, wenn es um die Restaurierung eines Denkmals, wie es der Lebenbrunnen ist, geht. Aus Gründen der Sicherheit durften die kaputten Stufen ersetzt werden.

Roland Gärtner hat sich über den bürokratischen Aufwand gewundert. "Das war schon interessant." Beim Landratsamt als Genehmigungsbehörde waren das Baurechtsamt, die Naturschutzbehörde, das Wasserwirtschaftsamt eingeschaltet. So ohne weiteres kann man nicht einfach ein Bauwerk, wie die Besucherplattform, in der Landschaft platzieren.

Für die Planung bedurfte es dann auch eines Statikers und eines Landschaftsgärtners. "Das hätten wir gar nicht gekonnt", sagt Gärtner. Materialien, Größe, Länge des gepflasterten Zuwegs waren Themen mehrerer Gespräche und Vor-Ort-Termine. Den Vorschriften müsse Genüge getan werden, ist Gärtner klar.

Geschichtliches und historische Aufnahmen

Historiker Peter Wanner vom Heimatverein hat Interessantes über die Geschichte des Leberbrunnens zusammengestellt. Die Texte und historische Aufnahmen sind auf den Infotafeln am Geländer abgedruckt. Zeichnungen bilden das Geschehen für kleine Besucher anschaulich ab. Gärtner wird in der St.-Veit-Schule, seiner früheren Wirkungsstätte, fleißig Werbung für den Lebenbrunnen als lohnendes Ziel einer Wanderung machen. Zwei Bänke laden dort zum Verweilen ein. Vielleicht spürt der eine oder andere die Magie des Ortes.

Dem Wasser aus dem Leberbrunnen wurde im 17. Jahrhundert Heilkraft nachgesagt. Es wurde innerlich und äußerlich angewendet bei einer ganzen Litanei von Zipperlein. Beinahe wurde Flein zum Kurbad, sollte doch, solange es zu Heilbronn gehörte - bis 1803 - ein Kurhaus errichtet werden.

Eine weitere Station im Fleiner Rundwanderweg

Schon in den 1630ern wurde das Wasser analysiert. Das hat die Bürgerstiftung jetzt wieder veranlasst. "Es kam was Interessantes raus", sagt Gärtner. Das Wasser aus dem Rohr habe keine Trinkwasserqualität, macht Albrecht deutlich. Ein wichtiger Hinweis für all jene, die heute noch hier Wasser für ihren Kaffee oder Tee holen. Das Wasser der Quellfassung habe hingegen Mineralwasserqualität, verkündet Gärtner. Man habe die Gemeinde gebeten, deshalb das Rohr zu reinigen, berichtet Heidi Hehl, die ebenfalls zum Stiftungsvorstand gehört.

Der nun restaurierte Leberbrunnen soll in den Fleiner Rundwanderweg einbezogen werden. Albrecht hat schon den Auftrag, für Sandsteine als Wegweiser zu sorgen.

 

Einweihung

Der bundesweite Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, liefert der Bürgerstiftung und dem Heimatverein den passenden Rahmen für die Einweihungsfeier des restaurierten Leberbrunnens in Flein. Ab 11 Uhr gibt es Grußworte, Historiker Peter Wanner wird auf die Geschichte des Leberbrunnens eingehen. Bei einem Imbiss und einem Glas Sekt können die Versammelten auf das gelungene Projekt anstoßen.

Neben den Infotafeln am Geländer der Plattform wird auch noch eine Tafel mit den Namen der Spender angebracht.