aus den Fleiner Nachrichten vom 4.12.2019

 

 

Kunstprojekt der Bürgerstiftung

Zwei Skulpturen von Guido Messer wurden aufgestellt

 

„Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens“ – mit diesem Zitat von Jean Paul begrüßte der Vorstandsvorsitzende der Fleiner Bürgerstiftung  Wolfgang Wörner die Gäste, die zur Feier anlässlich der Aufstellung der Skulpturen ins Fleiner Rathaus gekommen waren.

Am vergangenen Freitag war es soweit: nach vielen Gesprächen, Diskussionen und aufgrund der Zustimmung des Gemeinderats wurden die beiden Skulpturen „Die Obacht“ und „Die Claque“ des renommierten Künstlers Guido Messer auf dem Kreisel und dem Rathausvorplatz aufgestellt.

Mit diesem Projekt möchte die Bürgerstiftung einen ersten Anstoß zum Thema „Kunst in Flein“ geben. Über ein Jahr lang hatte man über die Kunstwerke diskutiert, viel Zustimmung erhalten, aber natürlich – wie kann es bei Kunst anders sein – auch Kritik vernommen. Dies führte letztendlich dazu, dass die Kunstwerke nicht gekauft wurden, sondern zunächst für drei Jahre auf Mietbasis aufgestellt werden. Danach soll überlegt werden,  ob die Skulpturen endgültig in Flein bleiben oder andere Werke – auch von anderen Künstlern – hier einen Platz finden können.

 

Die Bronzeskulptur des auch international renommierten Künstlers Guido Messer  „Die Claque“, die nun auf dem Rathausplatz steht, stellt vier ordentlich und angemessen bekleidete ‚halbe‘ Männer auf den für Guido Messer typischen tischhaften Untergestellen dar. Beifallklatscher mit geschlossenen Augen, ein Werk, das für die humorvoll-hintergründige Gesellschaftsanalyse stehen kann,  die immer wieder Hauptthema des Künstlers ist.  Wer die Figuren genau betrachtet, der wird darin Ernst und gleichzeitig Heiterkeit erkennen. 

 

Charakteristisch für den in Korb bei Stuttgart sowie in Sassetta in der Toskana arbeitenden Künstler sind sowohl sein Ideenreichtum als auch der unkonventionelle Einsatz von Farbe und Stahl zur Bronze. Dies gilt auch für die Skulpur „Die Obacht“, die auf dem Kreisel aufgestellt wurde. Vier Männer schauen in die vier Straßen, die sich hier in der Ortsmitte treffen. Spielraum für Interpretationen gibt es genug. Geben sie Obacht, achten sie von oben darauf, was rings um den Platz passiert? Ihre Gesichter sind hintergründig, mehr Kind als Mann, mit großer Brille sitzen die Figuren zwischen Himmel und Erde. Guido Messer ist von dem jetzt zugedachten Platz der Skulptur sehr angetan, aus jedem Blickwinkel ändert sich die Wahrnehmung auf die umgebenden Gebäude.

 

Bürgermeister Alexander Krüger bedankte sich bei der Bürgerstiftung, dass sie das Thema „Kunst in Flein“ aufgenommen hat. Er kann sich durchaus vorstellen, dass dies als Initialzündung weitere Ideen hervorbringen kann.

 

Möglich wurde das Projekt erst dadurch, dass es dafür über 20.000 Euro an Spenden gab.  Wolfgang Wörner bedankte sich für die großzügige Unterstützung der Kulturstiftung der Kreissparkasse Heilbronn sowie bei zahlreichen Einzelspendern. Die Mitarbeiter des Fleiner Bauhofs erstellten die Fundamente, sorgten für den Transport und den Aufbau der Skulpturen.  Ihnen galt ein großer Dank ebenso wie der Firma Holzbau Baumann, die mit dem zur Verfügung gestellten Kran für die reibungslose Aufstellung der Skulpturen sorgte.

Die Gäste im Fleiner Rathaus waren von den neu aufgestellten Kunstwerken als Bereicherung für den Ortskern angetan. Ob durch Form, Ausdruck oder Farbe, die Skulpturen von Guido Messer fallen ins Auge, sicher werden Vorübergehende verweilen und so vielleicht über dessen Kunst ins Gespräch kommen.

 

 

 

Interessantes zum Künstler Guido Messer


Der Bildhauer lebt und arbeitet in Korb bei Stuttgart und in Sassetta in der Toskana. Seine Einzelskulpturen und Skulpturengruppen setzen sich kritisch, aber auch humorvoll mit unserer Gesellschaft auseinander.
Guido Messer, 1941 in Buenos Aires geboren, ist einer der immer seltener werdenden figürlichen Bildhauer der Gegenwart. Sein zentrales Thema ist der Mensch, dem er sich modellierend und mit unzähligen Ideen nähert. Seine Bronzefiguren finden sich auf öffentlichen Plätzen, in Museen oder in Privatsammlungen und zeichnen sich durch eine überraschende Ausarbeitung im Detail aus. Einer fundiert handwerklichen Ausbildung als Goldschmied und Kunstgießer folgte das Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Bereits in frühen Jahren galt Guido Messer als Künstler mit eigenwilligen künstlerischen Ideen, der sich nicht scheut, Bronzefiguren mit Eisentischchen, Farben oder gefundenen Gegenständen zu kombinieren. Diese kühne gestalterische Arbeitsweise hat Guido Messer bis heute beibehalten..

Guido Messer präsentiert seine Werke in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen sowie in großen Stadtraumausstellungen im In- und Ausland.   Seine Plastiken finden sich sowohl in zahlreichen Privatsammlungen im In- und Ausland, als auch in Museen (z.B. im Haus der Geschichte in Bonn, im Landesmuseum Hannover oder in den Städtischen Museen in Heilbronn). Durch zahlreiche Ankäufe haben seine Skulpturen in vielen Stadträumen ihren festen Platz gefunden, genannt seien hier nur die Städte Balingen, Ellwangen, Esslingen, Gaggenau, Nürnberg , Pforzheim, Schwetzingen oder Stuttgart. Guido Messer hat die Idee des zwischenzeitlich weit bekannten Skulpturen-Rundwegs »Köpfe am Korber Kopf« entwickelt und ist dort als ehrenamtlicher Kurator für die jährlich wechselnden Skulpturenreihe tätig, bei der jeweils sieben Großskulpturen professioneller Künstler den Kunstobjekten von je drei Schulen oder anderen kreativ tätigen Gruppen gegenüberstehen.

 

 

 

aus der Heilbronner Stimme vom 30.11.2019

Kunst in der Fleiner Ortsmitte

Flein  Mit Spenden finanziert die Fleiner Bürgerstiftung das Kunstprojekt. Ziel ist, die Ortsmitte aufzuwerten. Ein kleines bisschen Gesellschaftskritik steckt in den Skulpturen von Guido Messer.

Artikel druckenEmail
Kunst in der Fleiner Ortsmitte: Bürgerstiftung lässt blaue Männchen und Claqueure aufstellen

Obacht! Seit Freitag haben diese akkurat gekleideten und brav sitzenden blauen Herren den Kreisel und die Fleiner Ortsmitte im Blick − allerdings mit einem Lächeln auf den Lippen.

Fotos: Ralf Seidel

Huch! Sitzen da tatsächlich blaue Männchen auf dem Linienbus, der gerade den Kreisel in der Fleiner Ortsmitte passiert? Nein. Aber es ist nur zum Teil eine Illusion. Die blauen Figuren sind Realität. Sie thronen auf einem so hohen Podest in der Mitte des Kreisels, dass sie über das Busdach hinausragen. Die vier Plastiken beobachten seit Freitag, was zu ihren Füßen um sie herum passiert. Und viele neugierige, vielleicht auch verdutzte Augenpaare richten sich zu ihnen hinauf. Schließlich ist diese Kunst im Straßenraum neu. Die Bürgerstiftung Flein hat zwei Skulpturen von Bildhauer Guido Messer angemietet, um den Ortskern aufzuwerten. Seit Freitag beleben auch vier Bronze-Claqueure den Rathausvorplatz.

"Ich finde das toll. Das sieht klasse aus. Das ist mal was anderes", meint Christa Hornfeck, die am Freitagmorgen unterwegs ist. "Das passt", sagt eine andere Fleinerin, die sich ebenso aufgeschlossen für dieses ungewöhnliche Projekt zeigt. "Blau ist eine Farbe, die einem gefällt", hat sie an dem leuchtenden Ton des Kunstwerks "Die Obacht" nichts auszusetzen. Guido Messer ist ihr nicht unbekannt, hat sie doch schon Arbeiten von ihm auf dem Golfplatz des Talheimer Hofs gesehen.

"Das sorgt ein bisschen für Gesprächsstoff in Flein", ist Bauhof-Leiter Hans-Jürgen Körner überzeugt. Er hat mit zwei Mitarbeitern und mithilfe eines Krans der Firma Holzbau Baumann am Freitagmorgen die Stahlkonstruktion samt Skulptur auf den Sandsteinsockel des Kreisels gesetzt und "Die Claque" auf dem eigens geschaffenen Fundament befestigt.

"Wir waren uns darüber im Klaren, dass Kunst immer Diskussionen auslöst", sagt Wolfgang Wörner, Vorstand der Bürgerstiftung Flein. Dass diese teilweise sehr emotional ausfielen, damit hatte er nicht gerechnet. Im Januar stellten er und Vorstandskollege Roland Gärtner dieses Spendenprojekt im Gemeinderat vor und stießen dabei eigentlich auf ein positives Echo. Aber es gab auch kritische Stimmen, nicht nur im Gremium. Die einen fragten sich, warum die Bürgerstiftung so viel Geld für Kunst ausgibt. Warum man sich nicht nach Künstlern aus der Region umgeschaut habe. Andere beklagten, dass im Weinort Flein die Weinpresse aus dem Kreisel verschwinden müsse.

Nach Kritik noch einmal überdacht

"Wir haben diese Kritik ernst genommen und das Projekt nochmals reflektiert", sagt Wörner bei der kleinen Feierstunde zur Übergabe. So sind es jetzt statt der geplanten drei nur zwei Figurengruppen, die erst mal für drei Jahre vom Bildhauer aus Korb geliehen werden. Ein Kauf ist vorerst vom Tisch. "Mir gefallen sie sehr gut", freut sich Wörner über das Ergebnis.

Weiter Aufwertung auch ein Ziel der Gemeinde

Kunst im Kreisel ist nicht ganz neu in Flein. Die Stahlskulptur mit Gans, Esel und Wengerter im Wohnbaugebiet "Gänsäcker II" hatte 2008 für Begeisterung gesorgt. Daran erinnert Bürgermeister Alexander Krüger. Er ist froh über die Initiative der Bürgerstiftung. Es tue den Menschen gut, sich mit dem Thema Kunst auseinanderzusetzen. Dass der Ortskern belebt wird, ist ganz im Sinne des Bürgermeisters. Der Gemeinderat habe sich die weitere Aufwertung für diese Legislaturperiode auf die Fahnen geschrieben.

Kahlköpfig, akkurat gekleidet und in braver Sitzhaltung

Kunst in der Fleiner Ortsmitte: Bürgerstiftung lässt blaue Männchen und Claqueure aufstellen

Sie machen es den Claqueuren auf dem Rathausvorplatz nach: Roland Gärtner, Guido Messer und Wolfgang Wörner (v.l.) klatschen Beifall. Aber wem?

"Ich bin ganz glücklich", richtet Guido Messer trotz des Regens einen strahlenden Blick gen Kreisverkehr. Dass seine Kunst "mitten im Raum" steht, schaffe einen Bezug zu den Menschen. 4,60 Meter hoch ragt "Die Obacht" aus dem Kreisel. Kahlköpfig in Anzug und Krawatte, mit Brille und in braver Sitzhaltung, ein Lächeln auf den Lippen: Messer sieht in den Figuren mehr Kind als Mann. "Ob hier das Beobachtetwerden zur Überwachung wird?", stellt er als Frage in den Raum. "Gesellschaftskritisch bin ich schon, aber nur verdeckt", gibt er verschmitzt zu. Das gilt auch für die vier identischen Claqueure Typ Politiker. Wem spenden sie Beifall? "Beklatscht wird, so manches Mal, ohne genaues Hinsehen beziehungsweise Ansehen der Person."

Spenden für das Projekt

Der Spendenaufruf der Bürgerstiftung Flein für das Kunstprojekt hat bisher 20 000 Euro eingebracht. Ein vierstelliger Betrag stammt von der Sparkassenstiftung Heilbronn. Dieser wird fünfstellig, sollte die Bürgerstiftung eine der beiden Skulpturen von Bildhauer Guido Messer, Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg, kaufen. Ursprünglich wollte die Bürgerstiftung "Die Obacht" für 44 000 Euro gleich kaufen. Jetzt wird sie, wie "Die Claque", erst mal geliehen. Je nach Echo will die Institution weiter in Kunst investieren, so Vorstand Wolfgang Wörner.